„ﬡ,α,A/ﬡ,ꭥ,O — Requiem Material“

Soundinstallation, Performance und Ambient in St. Michael im Frankfurter Nordend.

St. Michael, 1954 eingeweiht, gehört zu den bedeutendsten Werken des Architekten Rudolf Schwarz (*1897—†1961). In Frankfurt war Rudolf Schwarz, der auch Theologie studiert hatte, schon durch den Wiederaufbau der Paulskirche (1947—1948) bekannt. Gemeinsam mit dem Gründungspfarrer der Kirche, Alfons Kirchgässner, versuchte er, neue Liturgieformen in Architektur umzusetzen und die Gemeinde stärker in den Gottesdienst einzubeziehen. Dazu gehört, dass der Altar frei steht und sich die Gemeinde um ihn herum versammeln kann — eine für diese Zeit in der katholischen Kirche sehr fortschrittliche Lösung.

Beim Entwerfen des Kirchenraums ließ sich Rudolf Schwarz von der Erinnerung an eine Wanderung durch die Aare-Schlucht leiten. Ähnlich wie die Paulskirche betritt man auch St. Michael durch einen niedrigen und dunklen Vorraum, um dann von einer weiten Halle überrascht zu werden: eine Aufweitung zwischen schmalen Felswänden, in die von oben Licht einfällt. Materialien und Farben, wie der Schieferboden, die grün lasierten Betonpfeiler und die Blau getünchte Decke, nehmen das Bild ebenfalls auf. St. Michael ist bis heute im Wesentlichen unverändert geblieben und damit inzwischen eine Seltenheit. Auch die Leere und weitgehende Schmucklosigkeit des Innenraums entsprechen dem ursprünglichen Zustand — und der Absicht des Architekten. Für Rudolf Schwarz war die Abwesenheit von Bildern notwendig, um den Besuchern der Kirche ein Erlebnis von Stille, Einkehr und Innerlichkeit zu ermöglichen.


Es gibt nur wenige Kirchenbauten, bei denen diese Haltung so streng und konsequent umgesetzt wurde — was sicher auch an ihrer schweren Zugänglichkeit liegt. Der Kirchenbau wandtesich jedenfalls bald wieder einer konventionelleren Bildsprache zu. St. Michael blieb aber einige Jahre lang eine Art Pilgerort für Menschen, die sich für damals neue Formen der Liturgie Interessierten. (Sunna Gailhofer)

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